Kaiser und Könige waren die ersten, die es sich leisteten exotische Tiere zu halten. Die Tiere waren meist kostbare Geschenke an die Herrscher. Einer ägyptischen Steintafel aus dem Jahre 2300 v. Chr. kann man entnehmen, dass es bereits damals in der sumerischen Stadt Ur eine Sammlung seltener, exotischer Tiere zu besichtigen gab. Zoos waren in die Tempelanlagen des alten Ägypten integriert. Im Jahre 1500 v. Chr. verfügte der ägyptische Pharao Thutmoses III. über einen Tierpark zu seinem persönlichen Privatvergnügen. Es kam auch vor, dass sich Herrscher auf die Haltung bestimmter Tiere spezialisierten. So besaß Salomon im 10. Jahrhundert v. Chr. eine Vielzahl an Affen und Pfauen und der babylonische König Nebudkadnezar hielt sich um 600 v. Chr ein Rudel Löwen.
Mit der Zeit gelang es immer stabilere und seetüchtigere Schiffe zu bauen. So waren Expeditionen in entfernte Länder möglich. Von diesen Expeditionen kamen die Menschen meist mit vielen exotischen Tieren zurück, die sie ihrem jeweiligen Herrscher zum Geschenk machten. Diese Tiersammlungen waren jedoch noch keine richtigen Zoos, sondern Menagerien. Diese Menagerien waren den Herrschern vorbehalten. Doch auch das Volk wollte sich an Tieren erfreuen. So kam es, dass auf den Marktplätzen des Mittelalters, neben den Händlern auch Gaukler und Dompteure zu finden waren, welche den einfachen Menschen Tiere vorführten. Tanzbären erhoben sich auf ihre Hinterbeine, Pferde konnten scheinbar rechnen usw. Mit der Zeit entstanden die sogenannten Wandermenagerien. Diese zogen mit einer Vielzahl exotischer Tiere von Ort zu Ort und stellten sie einem zahlenden Publikum in Zelten zur Schau. In den Stallungen wurden die Tiere in Käfigen, Kisten oder einfach angekettet ausgestellt. Die Haltung der Tiere in diesen Wandermenagerien war miserabel. Für das einfache Volk waren sie jedoch meist die einzige Gelegenheit einmal im Leben einen Löwen, Elefanten oder ein anderes exotisches Tier zu sehen.
Die Entstehung öffentlicher Menagerien
Um 1790 änderten sich mit der Französischen Revolution die Machtverhältnisse in Europa erheblich. Das Volk stürmte die Paläste der Adligen und somit auch deren Tiersammlungen. Von nun an sollte sich jeder die Tiere anschauen können. Man brachte sie in die Städte, wo man ihnen neue Käfige - meist in schönen Grünanlagen - baute. So entstanden stationäre, öffentliche Menagerien, die jederman gegen Bezahlung besuchen durfte. Mit heutigen Zoos lassen sich diese Menagerien jedoch noch immer nicht vergleichen. Sie ähnelten vielmehr einer Briefmarkensammlung. Endloswirkende Galerien kleiner Zwinger, in denen sich je ein Tier befand, prägten das Bild. Die Tiere wurden - anders als heute - streng nach verwandtschaftlicher Zusammengehörigkeit ausgestellt. So befanden sich beispielsweise in einer Käfigreihe nur Bären, in einer anderen nur Raubkatzen. In den trostlosen Käfigen wurden viele Tiere verhaltensgestört und aggressiv. Löwen schlichen nervös umher, Elefanten begannen monoton ihre Köpfe hin und her zu werfen und Nashörner schabten sich ihr Horn an den Eisenstäben ab. Glücklicherweise gehören diese Menagerien in den meisten Teilen der Welt heute der Vergangenheit an.
Die Entwicklung des modernen Zoos
Die Geschichte des modernen Zoos beginnt mit der Familie Hagenbeck. Gottfried Clas Carl Hagenbeck arbeitete als Fischhändler in Hamburg. Im Jahre 1848 brachten ihm seine liefernden Fischer neben Meeresfrüchten auch noch 6 lebende Seehunde, welche ihnen versehentlich ins Netz geraten waren. Hagenbeck stellte die Tiere in mit Wasser gefüllten Holzbottichen aus, in denen man sie gegen ein geringes Eintrittsgeld besichtigen konnte. Nachdem sich dies als Erfolg erwies, kaufte Hagenbeck weitere exotische Tiere, die er in einer Schaubude auf dem Hamburger Jahrmarkt ausstellte. Sein ältester Sohn Carl Hagenbeck fand kein großes Interesse mehr am Fischhandel. Er widmete sich ausschließlich der Einfuhr exotischer Tiere, die er in Hamburg kurze Zeit den Menschen zur Schau stellte´und anschließend weiterverkaufte. Die Zeit um in den Tierhandel einzusteigen war mehr als günstig. Durch die noch relativ neuen Eisenbahnverbindungen waren Transporte durch ganz Europa möglich. Immer mehr zoologische Gärten wurden gebaut, die einen hohen Bedarf an Tieren hatten. In Deutschland wurden die ersten Zoos in
* Berlin (1844)
* Frankfurt a.M. (1858)
* Köln (1860)
* Dresden (1861)
* Hamburg (1863)
* Hannover (1865)
* Leipzig (1878)
gegründet. Neben den exotischen Tieren stellte Hagenbeck auch fremdländische Menschen zur Schau. Diese sollten dem Publikum den Einblick in andere Kulturen ermöglichen. Heute wäre dieses Ausstellen von Menschen aus ethischen Gründen nicht mehr zu verantworten. Doch damals, in einer Zeit, in der es weder Fernsehen noch Kino gab, waren solche "Völkerschauen" die einzige Möglichkeit andere Kulturen hautnah kennen zu lernen. Da Carl Hagenbeck mit der Zeit in seinem Tierhandel über eine ausreichende Menge von Dressur- und Menagerietieren verfügte, kam er schließlich auf die Idee, die Tiere und die exotischen Menschen in einer Gesamtschau zu vereinen. Und so wurde der große "Zirkus Hagenbeck" gegründet. Doch Hagenbeck jun. verfolgte noch ein weiteres Ziel. Er erkannte, dass plastische Schaubilder, sogenannte Panoramen, in denen Schlachten, Schiffsuntergänge etc. mit Figuren und gemalten Hintergründen nachgestellt wurden, zu seiner Zeit sehr gefragt waren. 1869 interessierte sich alle Welt für die Arktis, nachdem es Fritjof Nansen gelungen war, sich mit seinem Schiff "Fram" im Packeis einschließen und Richtung Nordpol treiben zu lassen. Hagenbeck wollte das neue Interesse an der Arktis für sich in klingende Münze umsetzen und so kam es, dass er 1896 auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg ein Nordmeer-Panorama baute. Anders als in allen anderen bisherigen Schaubildern, wimmelte es in diesem Panorama nur so von lebenden Tieren wie Robben, Eisbären, Polarfüchsen, Walrössern, Möwen usw. Die Tiere tummelten sich vor dem gewaltigen Nachbau der von Eis bedeckten "Fram". Die Hamburger waren begeistert. Diese 3000qm große Anlage war transportabel und wurde daher auch noch in vielen anderen Städten wie Berlin, Dresden und Paris gezeigt.
Am 1.2.1896 ließ sich Carl Hagenbeck seine Idee für eine solch "gitterlose Freianlage" vom Deutschen Patentamt schützen. Hagenbeck gilt daher heute offiziell als der Erfinder der Freianlage zur Tierhaltung. Doch Carl Hagenbeck jun. wollte noch weitergehen. Neben dem Tierhandel und dem Zirkus wollte er einen eigenen Zoo aufbauen; keine weitere Menagerie, in der Tiere in trostloser Umgebung vor sich hin vegetierten, sondern einen riesigen Tierpark, in dem sich die Tiere scheinbar frei in naturnah gestalteten gitterlosen Freianlagen bewegen konnten. Natürlich mussten Absperrungen sein, schließlich sollten die Löwen nicht die Zebras fressen oder die Besucher jagen. Doch Hagenbecks Gehegeabgrenzungen sollten dem Besucher nicht so ins Auge fallen wie etwa dicke Eisengitter. Daher versuchte Hagenbeck die Sprungweiten und -höhen der verschiedenen Tiere zu ermitteln, indem er Leckerbissen ganz oben an deren Käfig band, um herauszubekommen, ob sie diese noch erreichen konnten. Nach einiger Zeit gelang es Hagenbeck die Sprungweiten vieler Tiere erfolgreich zu ermitteln. Mit diesen Kenntnissen entwickelte er neue Gehegeabgrenzungen die von den Besuchern nicht wahrgenommen wurden, wie etwa Wasser- und Trockengräben, die zudem einen großen Sicherheitsspielraum zu den in den Versuchen gemessenen Sprungweiten aufwiesen. Diese Absperrungen tennten Löwen und Zebras genauso zuverlässig wie einst dicke Gitterstäbe, waren für die Besucher jedoch wesentlich attraktiver.
Im Mai 1907 wurde Carl Hagenbecks Tierpark als erster gitterloser Zoo der Welt in Hamburg-Stellingen eröffnet. Die Tiere bewegten sich in riesigen naturnahen Freianlagen. Die Besucher waren begeistert. Hagenbecks Zoo wurde in kürzester Zeit zu einem wahren Publikumsmagneten. Niemand wollte mehr Tiere in engen Käfigen eingesperrt sehen. Viele neue Zoos wurden nach dem Hagenbeck'schen Vorbild errichtet, alte bauten um. Carl Hagenbeck gilt daher zu Recht als der Vater des modernen Zoos von heute.